Isar

BN-Untersuchungen zeigen: die Isar erwacht zu neuem Leben

Vor vielen Jahrzehnten wurde die Isar ihres Wassers beraubt und in ein Steinkorsett gezwängt. Weil die nötige Dynamik nun fehlte, verschwanden Kiesbänke und wucherten zu. Zudem grub sich die Isar immer tiefer in den Untergrund.

Auf Grundlage des Isarplans 2020 begann die Wasserwirtschaft zunächst zaghaft, dann zunehmend mutiger, die Uferverbauungen zu entfernen. In der Rosenau wurde auch der Deich verlegt, womit die Aue ihren Raum zurück bekam.

Doch nützt es dem Fluss, dem Ökosystem und den Menschen? Der BUND Naturschutz untersucht seit April 2015 die Entwicklungen, gefördert vom bayerischen Naturschutzfonds. Zahlreiche Spezialisten, darunter von der Zoologie der TU München, untersuchen und dokumentieren die Veränderungen der Vegetation, den Tieren und am Fluss selbst. Auch wie Erholungsuchende die Isar jetzt gefällt, wollen wir herausfinden.

Die ersten Ergebnisse begeistern die Forscher: Der Fluss ist breiter geworden, es gibt wieder mehr Kiesbänke und Totholz, und auch die erste Bestandsaufnahme der Pflanzen- und Tierwelt zeigte positive Ergebnisse. Seltene Weidenarten, aber auch Insekten, die auf der Roten Liste stehen, werden wieder heimisch. Auch nach Auslaufen des Projektes zum Jahresende wird die Kreisgruppe die Arbeit am Fluss weiter fortsetzen.

Kompromiss bei Isarprojekten - Verzicht auf Isarschleiferl

Wo sich die Isar beim letzten Hochwasser Bahn brach, sollte das Erholungsgebiet "Isarschleiferl" entstehen.

Die Freisinger Isaraue bleibt erhalten - für die Natur und für die Menschen, die dort echte Erholung suchen. Wir haben seit Jahren auf die Problematik der geplanten Eingriffe und ihrer Summationswirkung hingewiesen, zuletzt in einer umfangreichen Stellungnahme vom Februar 2014 zum Isarsteg. Bei den Isarauen handelt es sich um Bayerns längstes Auwaldband. Seltene Vogelarten wie Grauspecht und Halsbandschnäpper kommen hier vor, die von den Planungen unmittelbar bedroht gewesen wären. Der hohe Schutzstatutus als Naturschutz- und FFH-Gebiet bestätigt die überragende Bedeutung der Freisinger Isarauen als Naturjuwel. Nicht ohne Grund stand auch die Höhere Naturschutzbehörde an der Regierung von Oberbayern den geplanten Eingriffen äußerst kritisch gegenüber. Der jetzt gefundene Kompromiss - Isarsteg ohne Isarschleiferl, der noch immer mit für den Naturschutz schmerzlichen Eingriffen in den Baumbestand verbunden ist, wurde in konstruktiver Atmosphäre erzielt. Lesen Sie dazu die einvernehmliche Stellungnahme der Stadt Freising und des Bund Naturschutz.

Nein zum Eingriff in FFH-Gebiet - Isarschleiferl, so nicht!

Für die Errichtung des sog. "Isarschleiferls" hat die Stadt Freising ein wasserrechtliches Planfeststellungsverfahren beantragt. Der Bund Naturschutz lehnt das Vorhaben nach wie vor ab, da es in vielfacher Weise gegen geltendes Naturschutzrecht verstößt. Zudem wird damit eine wichtige Erholungsform - ruhiger Naturgenuss in Stadtnähe - nicht gefördert, sondern sogar beeinträchtigt. Lesen Sie unsere ausführliche Stellungnahme.

Naturverlust für Partymeile?

Die Idee, das bisher nur geduldete Grillen an der Isar offiziell zu erlauben, wird mit massiven Naturverlusten einhergehen. Das Problem: Ein "offizielles" Erholungsgebiet bedeutet mehr Besucher,  mehr Lärm, mehr Dreck, mehr Störungen. Es sind Pflege und Verkehrssicherheit nötig. Letztere bedeutet vermutlich für viele alte Silberweiden das Aus. So wird aus unserem größten Naturschatz eine Liegewiese mit nächtlichen Partys. Lesen Sie hierzu unsere Position zum "Freisinger Isarschleiferl".

Chance für ökologischen Hochwasserschutz vertan

Der Isarplan 2020 sieht eine weitgehende Renaturierung der Isar zwischen München und Moosburg vor. Gleichzeitig sollen Deichrückverlegungen dem Wasser mehr Raum geben. Auf diese Weise können gefährliche Hochwasserspitzen auf natürliche Weise gekappt werden. Die Isar gewinnt ihre Aue zurück und die Menschen am Fluss einen neuen und attraktiven Erholungsraum.

Doch was ist aus den viel versprechenden Plänen geworden? 2008 erfolgte die Deichrückverlegung an der Rosenau bei Langenpreising. Das haben wir begrüßt und ausdrücklich als vorbildliches Beispiel für den ökologischen Hochwasserschutz gelobt. Dort kann sich der Fluß bei Hochwasser ausbreiten und die Aue überspülen. Mit der Reparatur des bestehenden Deiches bei Brandstadl/Hallbergmoos wurde hingegen eine einmalige Chance vertan (hierzu unsere Stellungnahme  sowie ergänzende Stellungnahme). Hier hätte ein natürlicher Hochwasser-Speicher von rund 950.000 m³  entstehen können, Hochwasserschutz für die Unterlieger inklusive. Eine Rückverlegung wurde verschoben - womöglich auf St. Nimmerlein. „Beispiele für Deichrückverlegungen lassen sich in Bayern an einer Hand abzählen“, kritisiert Dr. Christine Margraf, Artenschutzreferentin für Südbayern im Bund Naturschutz. „Ganz im Gegensatz zu einer Vielzahl oft teurer technischer Großprojekt und Deichsanierungen“.

Isaraue bei Freising

 „Bayern stärkt den natürlichen Hochwasserschutz“, so die vollmundigen Versprechungen der bayerischen Staatsregierung. Doch die bisherigen Maßnahmen lassen uns an der Ernsthaftigkeit dieser Aussage zweifeln. Auf der Strecke bleiben die hochgesteckten Ziele der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) und die Umsetzung von Natura 2000. Dringend gebotenen ist ein ökologischen Hochwasserschutz an der gesamten Mittleren Isar zwischen Freising und Landshut. Kleinteilige Maßnahmenplanungen wie das Leader-Projekt „Naherholung auf den Isarkiesbänken“ im Stadtgebiet Freising sind kein Ersatz. Wir bleiben dabei: "Breitwasser statt Hochwasser",so das BN-Motto für die Überflutung der Auen anstelle von Kellern.

Kiesbänke der Isar

Unser Fazit: Lässt man der Isar mehr Raum, bekommt man Hochwasserschutz  gratis. Dabei entstehen zudem Naherholungsgebiete. Der "Freisinger Flaucher" könnte ein ähnliches Bild abgeben wie die Pupplinger Au bei Wolfratshausen. Allerdings dürften die Uferbereiche nicht beidseitig befestigt werden. Im Bereich der Freisinger Luitpoldanlage würde sich ein Naherholungsgebiet anbieten. Hier begegnen sich Moosach und Isar. Die Moosach könnte naturnah ausgebaut werden, an der Isar gibt es offene Kiesbänke. Zudem müssten keine neuen Stellplätze ausgewiesen werden.

 

 

Offene Kiesbänke an der Isar